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Gedanken anderer Mitmenschen Das, was uns die Studie (die eine von vielen ist, die schon vorher veröffentlicht wurden und zum selben Ergebnis gekommen sind) eigentlich sagen sollte ist folgendes: Der Satz “Ich bin im falschen Körper geboren” stimmt. Da das Gehirn das wichtigste Organ ist, ist es auch das geschlechtsbestimmende. Das Gehirn sagt der betroffenen Person: Du bist ein Mädchen. Wenn nun so ein Mädchen geboren wird, und es Penis und Hoden besitzt ist es deswegen noch lange kein Junge, sondern eben - und das ist das, was in Deutschland von transphoben Psychoanalytikern und Gesetzgebung immer noch abgestritten wird - ein gebürtiges Mädchen. Ein transsexuelles Mädchen ist kein Junge, der sich “wie ein Mädchen fühlt”, sondern eben ein Mädchen, dass sich auf Grund ihres zu ihrem Geburtsgeschlecht gegenläufigen Körpermerkmalen “männlich” fühlt und nicht umgekehrt. Wer dies versteht, weiss, dass transsexuelle Menschen in Deutschland heute noch behandelt werden wie Sklaven in den Südstaaten der USA vor einem halben Jahrhundert, wie homosexuelle noch vor Jahrzehnten, wie eben Gruppen, denen man, obwohl sie sind wie sie sind, auf Grund von Besonderheiten die Menschenrechte abspricht. So werden transsexuell Mädchen allen Ernstes noch in Deutschland als identitätsgestörte Jungs bezeichnet - wollen sie als Mädchen auch juristisch anerkannt werden, müssen sie dafür tausende Euro ausgeben um dann per Gutachter als verrückte Jungs eingestuft zu werden, die “Mädchen werden wollen”. Erst wenn diese Mädchen dafür bereit sind, wenn sie sozusagen offiziell unterzeichnet haben, dass es sie nicht gibt und der Satz “Ich bin im falschen Körper geboren” zur Einbildung deklassifiziert wurde gibt man ihnen die Möglichkeit andere Papiere zu erhalten. Ganz schön menschenverachtend. Ebenso wie die Menschen die meinen über transsexuelle Menschen schreiben zu müssen, dass da Männer Frauen werden wollen. Nein. Sie waren schon immer Frauen. Vielleicht sollten sich die gebildeten Menschen darüber einmal Gedanken machen und sich selbst fragen: Akzeptiere ich transsexuelle Menschen? Wer sagt, dass er einen Mann, als Frau akzeptiert, hat nicht verstanden, dass diese Frau als Frau geboren wurde - wenn auch mit Penis und Hoden. Denken Sie mal drüber nach… Warum wurde denn der Kommentar weggelöscht? Transphobie? Unwille transsexuelle Menschen wahrzunehmen? Mal kurz zusammengefasst, was da drin stand: Es gibt Mädchen, die mit Penis und Hoden geboren werden. Leider gibt es Menschen, die diese Mädchen immer noch als Jungs bezeichnen, die eine Identitätsstörung besitzen und deswegen “Männer wären die fühlen wie Frauen”. Das ist Transphobie. Mehr: http://atme-ev.de Ich speichere den Text hier jetzt mal zwischen. Es ist nämlich ärgerlich sich richtig Mühe gegeben zu haben (der erste Text war richtig ausführlich und gut argumentiert) und ihn hinterher gelöscht vorzufinden. Diese Ignoranz ist übrigens ein typisches Merkmal von Transphobie. Dann, wenn ein Mensch äussert “Ich bin ein Mädchen”, auf den Penis zu zeigen und die Aussage dieses Kindes als unwahr einzustufen ist genauso wie Argumente zu löschen, die sagen: Diese Kinder sagen die Wahrheit. Denken sie mal drüber nach. Mann, wie mich diese Transphobie anwidert… ehrlich… Im Fremdkörper Sie kamen als Frauen zur Welt, doch sie fühlen sich als Männer. Ein Student kämpft dafür, ein Mann zu sein, ein Dozent hat diesen Kampf schon hinter sich. Wie geht es ihnen damit? Till wollte nur auf die Toilette gehen. Im Vorbeigehen lächelte er der Putzfrau im Gang zu und öffnete die Tür zur Männertoilette. "Fräulein!", rief sie ihm hinterher, grinste ihn an und sagte: "Da müssen Sie rein." Dann zeigte sie auf die Tür links daneben. Till zögerte. Sollte er etwas sagen? Er tat es nicht, murmelte nur "Danke" und nahm stattdessen die Damentoilette. "So etwas passiert mir fast jeden Tag", sagt Till. "Aber ich hab keine Lust, jedem Verkäufer und jeder Putzfrau zu erklären, was los ist." Till Amelung ist 24 Jahre alt und er kam als Mädchen zur Welt. Auf seinen Zeugnissen und Ausweisen steht "Tanja", der Name, den er seit der Geburt getragen hat. "Aber das bin ich nicht. Ich bin ein Mann", sagt er bestimmt. Seit er denken kann, fühlt er sich fremd in seinem eigenen Körper. Till ist transsexuell, genau wie mindestens 6000 andere Menschen in Deutschland. Die Dunkelziffer liegt viel höher. Gezählt werden können nur diejenigen, die in ärztlicher Behandlung sind, und viele Betroffene gehen nicht zum Arzt. Sie schämen sich, haben Angst oder wissen gar nicht, dass es für ihr Leiden einen Namen gibt. Transsexualität hat nichts mit Transvestiten zu tun, nichts mit Männern, die sich als Frauen verkleiden und auf Varieté-Bühnen stehen. Transsexuelle wollen kein Kostüm, sie wollen einen anderen Körper, weil sie im falschen geboren wurden. Dafür spritzen sich viele ihr Leben lang Hormone und lassen sich mehrfach operieren. Till will das auch, aber er muss noch warten, auf Gutachten von Psychologen und Gerichten. Ohne die darf in Deutschland keiner seinen Vornamen ändern, gegengeschlechtliche Hormone nehmen oder sich operieren lassen. Trotzdem versucht Till jetzt schon, als Mann zu leben: Er trägt weite Kleidung und einen Irokesenschnitt. Bevor er in die Uni geht, sich mit Freunden trifft, praktisch immer wenn er unter Leute geht, schnürt er sich mit einer Binde die Brüste ab. "Nach ein paar Stunden tut es weh", sagt er. "Dann muss ich nach Hause, die Binde abnehmen. Dort sieht mich ja keiner." Er sagt das so gelassen, als ginge es um eine Krawatte, die er zu Hause auszieht. Till probiert alles, um als Mann gesehen zu werden. Doch es hilft nichts: "Die Leute denken, ich sei eine maskuline Frau, oder sie halten mich für einen 14-jährigen Jungen." Er traut sich nicht, einen Nebenjob anzunehmen, weil er Angst hat, weibliche Berufskleidung tragen zu müssen; er macht keinen Sport, weil er nicht weiß, in welche Umkleidekabine er gehen soll; und wenn er in Göttingen unterwegs ist, fragen ihn Kinder: "Ey, was bist’n du, Junge oder Mädchen?" Eigentlich spaziert er gerne von der Uni in die Innenstadt, über das alte Kopfsteinpflaster, in die kleinen Cafés. Aber die Fragen haben ihn scheu gemacht – allein traut er sich kaum noch dahin. Diese Angst hat ein anderer schon hinter sich, Privatdozent Björn Seidel-Dreffke. Der 45-Jährige lebt in Berlin und lehrt russische Kulturgeschichte an der Universität Halle. Wenn er – Vollbart, tiefe Stimme, breite Schultern – über den Alexanderplatz geht, schäkern die Verkäuferinnen an den Ständen mit ihm. Er mag diesen Platz, die vielen Menschen, das Lebhafte. Er fürchtet sich nicht davor, als "Transe" beschimpft zu werden. Niemand sieht, dass Björn Seidel-Dreffke einmal Birgit Seidel-Dreffke war. "Ich hatte Glück", sagt er. 1995 nahm er die erste Dosis Hormone. Dann dauerte es gerade mal drei Monate, bis die Haare sprossen. "In mir lauerte wohl schon der Mann", sagt er und grinst stolz. "Selbst am Körper bin ich jetzt richtig behaart." Ein Jahr nach den ersten Hormonen ließ er sich operieren: Brust- und Gebärmutterentfernung. Björn Seidel-Dreffke sagt, er sei nie weiblich gewesen: "Meinen Hochzeitsstrauß trug ich wie einen Besen." 1988, als er noch eine Frau war, heiratete er seinen ersten Freund. Die Ehe funktionierte, er liebte seinen Mann, aber Seidel-Dreffke wurde immer unglücklicher in seiner Rolle als Frau. Drei Jahre nach der Hochzeit hielt er es nicht mehr aus. Seine Promotion war fertig, doch sein Institut schloss. Er konnte sich nicht mehr zur Ablenkung in Arbeit vergraben. In seinem Schlafzimmer stellte er sich vor den Spiegel, schaute sich an. "Diesen dünnen Hals, die zarte, blasse Haut, die schlaffen Schultern. Wie ich das alles hasste." Er starrte so lange auf sein Spiegelbild, bis ihn die Wut packte, rannte ins Bad und schnitt sich die Haare ab. Von da an trug er nur noch Jeans und Lederjacken. Und er erzählte seinem Mann, was los war. Der wollte das alles durchstehen, mit ihm zusammenbleiben, die Ehe nicht einfach so wegwerfen. Er besuchte Seidel-Dreffke nach den Operationen im Krankenhaus und sah zu, wie aus seiner Frau ein Mann wurde. Vor vier Jahren trennten sie sich dann doch. "Er steht einfach auf Frauen. An Männer geht er nicht ran", sagt Björn Seidel-Dreffke. Jedes Jahr lassen sich etwa 300 Transsexuelle in Deutschland operieren. Studien zeigen, dass nur ein bis zwei Prozent die Operation wieder rückgängig machen wollen. Das Problem ist die Zeit davor. Viele Transsexuelle sind depressiv, einige versuchen, ihr Leben zu beenden. Besonders die Pubertät ist eine Leidenszeit für sie. Till zum Beispiel wusste schon als Kind, dass er kein Mädchen war, er schrie und schlug um sich, wenn ihn seine Mutter in ein Kleidchen stecken wollte. "An dir ist ein Kerl verloren gegangen", sagte sie kopfschüttelnd. "Als ich dann in die Pubertät kam, habe ich am Anfang ignoriert, dass meine Brüste wuchsen", erzählt Till. Je größer sie wurden, desto mehr zog er sich zurück, wurde scheu, depressiv. "Der Tag, an dem ich meine Regel bekam, war eine Katastrophe, einfach der Weltuntergang." Die Ursachen von Transsexualität sind noch nicht ausreichend erforscht. In der Wissenschaft gibt es zwei Extrempositionen. Die eine behauptet, dass Transsexualität allein durch die Erziehung und das soziale Umfeld verursacht wird. Prominenteste Verfechterin dieses Standpunktes ist die amerikanische Philosophin Judith Butler. Ob ein Mensch Mann oder Frau werde, hänge zum Beispiel davon ab, welche Spiele er als Kind spiele. Genau das Gegenteil behaupten einige Biologen. Sie sind sich sicher, dass Transsexualität schon im Mutterleib verursacht wird. Zu hohe oder zu geringe Ausschüttungen von Geschlechtshormonen während der frühen Schwangerschaft seien die Ursache. Die meisten Wissenschaftler finden sich irgendwo in der Mitte – und sagen, dass seelische und körperliche Faktoren gleichermaßen beteiligt seien. Viele Psychologen kennen noch nicht einmal diese Diskussion, haben keine Erfahrung mit Transsexuellen. Till brauchte drei Anläufe, bis er endlich einen fand, der bereit war, ihn zu behandeln. Fast alles, was er in den vergangenen Jahren über Transsexualität gelernt hat, holte er sich aus dem Internet. "Ohne das Netz wäre ich aufgeschmissen", sagt er. Auch als er es vor zwei Jahren in den Weihnachtsferien nicht mehr aushielt, sich nicht mehr vor allen verstecken und endlich ein Mann sein wollte – da setzte er sich vor den Bildschirm. "Ich traute mich nicht, es irgendjemandem zu sagen." Der Mut reichte nur für das StudiVZ. Er gab am Computer zwei kleine Änderungen ein. Name: Till, Geschlecht: männlich. Sein Coming-out waren ein paar Klicks. Catharina, 25, seine beste Freundin an der Uni, reagierte als Erste darauf. "Er, sie, es: Das ist mir egal", sagt sie auch heute noch. "Till ist mein Freund." Zwar rutscht ihr auch zwei Jahre später manchmal noch ein "sie" raus, wenn sie Till meint. "Er", verbessert er sie dann beiläufig. "Ich nehm das hin", sagt er. "Bald bekomme ich ja Hormone, dann erledigt sich das hoffentlich von selbst." Auf Tills Seminarlisten steht mittlerweile nur noch "T.". So hat Till es mit seinen Professoren abgesprochen. Er wollte einfach nicht mehr als "Tanja" auftauchen und in jedem Seminar neu geoutet werden. Björn Seidel-Dreffke ist froh, dass er sich nicht mehr jeden Tag mit dem Thema Geschlecht beschäftigen muss: "Ich will mich nicht ständig im Kreis um mich selber drehen. Ich bin ein ganz normaler Mann, mit einer Besonderheit." Viele seiner neuen Freunde wissen nichts von seiner Vergangenheit. Manchmal aber muss er sich selbst outen. Seit Jahren bewirbt sich der Privatdozent auf Professuren, und immer wenn er eine Bewerbung abschickt, liegen in der Mappe auch Zeugnisse seines Diploms, seiner Dokumentarausbildung, seiner Dissertation. Sie alle sind auf "Birgit" ausgestellt. "Ich hätte nie gedacht, dass das ein Problem werden könnte", sagt Seidel-Dreffke. Doch mittlerweile hat er das Gefühl, dass es doch eines ist. Er ist habilitiert, hat ständig gelehrt, geforscht, publiziert und Preise gewonnen. Trotzdem: Unzählige Bewerbungen blieben erfolglos. "Ich werde nicht einmal eingeladen", sagt er. "Da frag ich mich schon, ob das an meiner Vergangenheit liegt." |





