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Wissenschaftlich

Bisher war Transsexualität für Wissenschaftler ein Rätsel. Denn Transsexuelle lassen sich genetisch, anatomisch und hormonell eindeutig einem Geschlecht zuordnen, jedoch nicht dem, mit dem sie leben wollen. Forscher haben nun herausgefunden, dass Hormonstörungen im Mutterleib für Transsexualität verantwortlich sein könnten. Für viele Betroffene eine wichtige Erkenntnis. Denn die meisten fühlen sich schon als Kind im falschen Körper, werden aber von ihrer Umwelt nicht ernst genommen.

PLANETOPIA über die neue Studie und den langen Leidensweg transsexueller Menschen.
(Stand: 19. Oktober 2007)


Transsexualität ist in Deutschland als Krankheit anerkannt. Die Behandlung, umgangssprachlich als Geschlechtsumwandlung bezeichnet, erfolgt in der Regel durch Urologen, Gynäkologen oder Plastische Chirurgen. Sie darf erst dann durchgeführt werden, wenn sowohl eine medizinische als auch psychiatrische Untersuchung eine derartige Diagnose bestätigt haben. Eine ausführliche Anamnese sowie eine körperliche und psychologische Untersuchung gehören zur Diagnosestellung dazu. Die Ursachen für Transsexualität sind bisher noch unklar. In Einzelfällen kann ein bestimmter Gendefekt (sog. Klinefelter-Syndrom) die Ursache sein. Behandlung

Hat sich der Betroffene entschlossen, das Geschlecht zu wechseln, muss dieser zunächst psychisch auf diesen Schritt vorbereitet werden. Am Anfang der Behandlung von Transsexualität steht immer die Aufklärung und psychologische Betreuung über mindestens ein Jahr hinweg. Hat die Person weiterhin den Wunsch nach einer Geschlechtsumwandlung, sollte sie im Rahmen der Betreuung zunächst für eine längere Zeit in der Rolle des anderen Geschlechts leben.

Zunächst nimmt der Betroffene Hormone des jeweils anderen Geschlechts ein. Die Hormontherapie sollte man ein bis zwei Jahre vor dem eigentlichen operativen Eingriff beginnen. Die Operation ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich, so muss die Person beispielsweise älter als 21 Jahre sein und vorab intensiv und dauerhaft psychotherapeutisch begleitet worden sein.

Eine Veränderung des Geschlechts ist immer auch mit psychischen Belastungen verbunden. Daher ist es auch nach der operativen Geschlechtsangleichung wichtig, dass die Person weiterhin psychologisch betreut wird. Zudem ist eine dauerhafte Hormontherapie erforderlich.

fMRT zur Diagnose bei Transsexualität geprüft

Funktionelle MRT deckt im Gehirn Aktivierungsmuster des jeweils anderen Geschlechts bei erotischen Stimuli auf

BERLIN (gvg). Das Gehirn transsexueller Menschen, die anatomisch männlich sind, sich aber als Frauen fühlen, reagiert nicht typisch männlich auf visuelle erotische Stimuli. In einer Studie mit funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) zeigt sich eher ein weibliches Aktivierungsmuster.

Diese Beobachtung haben Radiologen der Uni Essen gemacht, die in einer Studie 36 Probanden während einer fMRT des Gehirns Filmsequenzen mit erotischem Inhalt vorspielten. Die Studie erfolgte in Zusammenarbeit mit der Klinik für Psychosomatik und sollte klären, ob die fMRT bei Transsexuellen als Diagnosehilfe in Frage kommt, etwa bei der Entscheidung über einen Umwandlungs-Top.

Untersucht wurden je zwölf heterosexuelle Männer und Frauen sowie zwölf Mann-zu-Frau-Transsexuelle, also anatomische Männer, die sich als Frauen fühlen. Wie Dr. Elke Gizewski beim Röntgenkongreß in Berlin betonte, sei bereits aus Voruntersuchungen anderer Gruppen bekannt, dass sich bei Männern und Frauen in der fMRT Unterschiede zeigen, wenn erotische Stimuli präsentiert werden.

So würden bei Männern das limbische System und dort vor allem Regionen im Hypothalamus, in den Mandelkernen und im Inselkortex wesentlich stärker aktiviert. "Diese Vorbefunde konnten wir beim Vergleich der heterosexuellen Männer und Frauen unserer Kohorte bestätigen", sagte Gizewski.

Bei den transsexuellen Männern gab es diese spezifisch männliche Aktivierung des limbischen Systems nicht. Die mit der fMRT erzeugten Bilder entsprachen vielmehr exakt denen der weiblichen Probanden.

Die Radiologen können also das, was die transsexuellen Männer angeben - dass sie sich nämlich "wie im falschen Körper" fühlen - anhand der Aktivierung des Gehirns auf erotische Stimuli bestätigen. Es gibt offenbar ein biologisches Korrelat des subjektiven Befunds.

Kurt Seikowski

Keine Patienten im klassischen Sinn


In den „Standards der Behandlung und Begutachtung von Transsexuellen“ wird der Versuch unternommen, Richtlinien zu entwickeln, die einer weiteren Qualitätssicherung im Umgang mit Transsexuellen dienen sollen. Die dargestellten Vorschläge sind sehr umfassend und berücksichtigen die unterschiedlichsten Aspekte der Diagnostik, der psychologischen, hormonellen und operativen Behandlung sowie der Kompetenz der entsprechenden Begleitpersonen. Sie stellen eine fundierte Grundlage für weitere Diskussionen dar. Hier sollen deshalb einige kritische Anmerkungen vorgebracht werden, deren Ziel darin besteht, eine solche Diskussion zu unterstützen.

(1) Zunächst fällt auf, dass die vorliegenden „Standards“ ohne Betroffene erarbeitet wurden. Es entsteht der Eindruck, dass es einerseits Spezialisten gibt, die Transsexualität aus rein fachlicher Sicht beurteilen können; auf der anderen Seite steht der Transsexuelle als Patient, der dem Spezialisten und dessen Fachwissen untergeordnet ist. Das mag bei vielen organischen und psychischen Erkrankungen durchaus so sein, scheint mir jedoch beim Umgang mit Transsexuellen überdenkenswert. Auch der Transsexuelle ist der Spezialist und kein „Patient“ im klassischen Sinn. Es existiert ein kompetenter Dachverband der Transsexuellen - „Transidentitas e. V“ -, zu denen der Kontakt gesucht werden sollte.

(2) Es wird unterstrichen, dass eine zuverlässige Beurteilung nur im Rahmen eines längerfristigen diagnostisch-therapeutischen Prozesses möglich ist, wobei die Selbstdiagnostik allein sowie die Heftigkeit des Umwandlungswunsches keine zuverlässigen Indikatoren darstellten. Bei einem Verständnis des Transsexuellen als Spezialisten für seinen Zustand scheinen mir jedoch Selbstdiagnostik und andere Beurteilungskategorien gleichrangig zu sein.

(3) Die klinisch-psychiatrische/psychologische Diagnostik wird damit begründet, dass bei Personen mit Geschlechtsidentitätsstörungen erhebliche psychopathologische Auffälligkeiten vorhanden sein können. Ich halte die Diagnostik psychischer Gesundheit für ergänzenswert. Wird letzteres z.B. versucht (und testpsychologisch untermauert), dürfte dies erhebliche Auswirkungen auf die zeitliche Dauer des diagnostisch-therapeutischen Prozesses haben. Wenn etwa bei einem Erstkontakt zu einem Transsexuellen psychische Gesundheit und ein Unbehagen an der Geschlechtsidentität diagnostiziert wurde, wäre zu fragen, warum der diagnostisch-therapeutische Betreuungsprozess dann längerfristig angelegt werden muss. Es gibt nicht wenige Transsexuelle, die sich erst dann an eine Beratungsstelle oder eine medizinische Einrichtung wenden, wenn der Prozess der Selbsterkenntnis (Selbstdiagnostik) bereits in adäquater Form abgeschlossen ist. Sie können konsequenterweise nicht nachvollziehen, warum der Betreuungsprozess vor der hormonellen und operativen Betreuung durch mehrere Konsultationen zur Überprüfung der Stabilität des Umwandlungswunsches in die Länge gezogen wird.

(4) Differentialdiagnostisch halte ich die Zisidentität für ergänzenswert. Zisidentische Personen sind solche, die Anteile beider Geschlechter leben wollen und bei Klarheit über die eigene Geschlechtsidentät meist „nur“ an einer gegengeschlechtlichen hormonellen Behandlung interessiert sind und keine Geschlechtsumwandlung anstreben. In diesen Fällen wäre eine operative Korrektur kontraindiziert.

(5) In den Standards zur Psychotherapie/psychotherapeutischen Begleitung wird formuliert, dass eine psychotherapeutische Begleitung „in jedem Fall“ vor der Einleitung somatischer Behandlungsmaßnahmen stehen müsse. Selbstverständlich ist eine psychologische Begleitung bei vorhandenen psychischen Problemen sinnvoll. Es stellt sich jedoch die Frage, warum sich eine psychisch gesunde transsexuelle Person, die selbständig Klarheit über die eigene Geschlechtsidentität erlangt hat, „in jedem Fall“ psychotherapeutisch begleiten lassen „muss“. Man kann niemanden zur Psychotherapie zwingen, sondern lediglich eine psychotherapeutische Begleitung anbieten bzw. empfehlen (so wie dies für die Situation nach der Operation formuliert wird). Zwischen Therapeut und Transsexuellen ist zu klären, dass auch andere Personen (die Behandler) am Umwandlungsprozess beteiligt sind - somit Verantwortung für den Transsexuellen übernehmen - und ihrerseits sicher sein wollen, bevor sie den irreversiblen Umwandlungsprozess befürworten. Das entspräche auch den Grundsätzen einer funktionierenden Arzt-Patient- bzw. Psychologe-Patient-Beziehung. Eine Forderung nach vorausgehender psychotherapeutischer Begleitung „in jedem Fall" aufzustellen, scheint mir aber aus den erwähnten Gründen eher überdenkenswert.

(6) Weiterhin kann nicht nachvollzogen werden, warum eine Hormonbehandlung erst erfolgen soll, nachdem der Therapeut den Transsexuellen mindestens ein Jahr kennt. Auch an dieser Argumentation sei wieder auf ein Grundproblem der „Standards“ verwiesen: Der Transsexuelle wird als eine Art passiver Patient gesehen, der nicht in der Lage ist, seine Befindlichkeiten selbständig einzuschätzen. Nur der Therapeut gilt als der Spezialist. Warum soll z.B. bei einem psychisch gesunden Transsexuellen ein Jahr gewartet werden? Warum soll es nicht auch möglich sein, eine psychotherapeutische Begleitung parallel zur hormonellen Therapie durchzuführen? Es stellt sich auch die Frage, warum unter diesen Voraussetzungen vor einer hormonellen Behandlung der „Alltagstest“ bereits ein Jahr lang kontinuierlich erprobt sein muss.

(7) Aus den „Standards“ sollten sich auch Kontraindikationen ergeben, die nicht immer genannt sind. Dies könnte zu Missverständnissen führen. Wenn z. B. bei der klinisch-psychiatrischen/psychologischen Diagnostik u. a. Minderbegabungen untersucht werden sollen, könnte man voreilig schließen, dass eine solche Minderbegabung eine Kontraindikation darstellt, was sicher so nicht gemeint ist.

(8) Abschließend soll noch vermerkt werden, dass es möglicherweise zeitgemäß wäre, den Begriff „Transsexualität“ fallenzulassen, da es sich bei diesen Personen nicht um Beeinträchtigungen oder Störungen der Sexualität handelt. Der Begriff „Transidentität“ scheint mir den in den „Standards“ beschriebenen Sachverhalt eher widerzuspiegeln. Die Betroffenen scheinen sich damit auch eher identifizieren zu können und haben ihren Dachverband wie bereits erwähnt - entsprechend benannt. Dr. rer. nat. Kurt Seikowski,

Universität Leipzig, Hautklinik, Andrologische Abteilung, Liebigstr. 21, 04103 Leipzig


Zum Verständnis von Transsexualität

von Eva Sturm


Für die meisten Menschen spielt das Geschlecht eine ganz zentrale Rolle in ihrem Selbstverständnis. Daher ist es für viele sicher recht schwierig, sich vorzustellen, daß jemand eindeutig die äußerlichen Merkmale des einen Geschlechts besitzt und sich trotzdem dem anderen Geschlecht zugehörig fühlt. Diejenigen, die so etwas empfinden, nennt man transsexuell. Ein häufiger Versuch, dieses Dilemma zu erklären ist: 'Stell' dir vor, du wachst eines morgens im Körper des anderen Geschlechts auf.' Es ist wohl kaum möglich, eine solche Erfahrung nachzuvollziehen, allerdings kann man erklären, wie es dazu kommt und wie man damit umgeht.


Fehlbesetzung einer Rolle

Transsexuelle äußern oftmals das Gefühl, eine Rolle spielen zu müssen, für die sie nicht geeignet sind. Nichts des so trotz haben sie sich in das Theaterstück einzufügen. Sie lernen ihre Rolle und versuchen nach Kräften, ihr gerecht zu werden. Gute Schauspieler können so ganz überzeugend wirken, Gesten und Worte stimmen und alles scheint perfekt, niemand zweifelt. Doch wenn sie dann die Bühne verlassen, ist ihnen vollkommen klar, das diese Rolle nicht das richtige für sie ist, sie fühlen sich völlig überfordert und fehl am Platz. Im Gegensatz zu Schauspielern können Transsexuelle jedoch nicht einfach das Kostüm ablegen, denn ihr Kostüm ist ihr eigener Körper.


Theorien zur Entstehung von Transsexualität


Das körperliche Geschlecht wird im Kern durch die Geschlechtschromosomen festgelegt. Ob sich dann daraus körperlich ein Junge oder ein Mädchen entwickelt, hängt jedoch auch davon ab, welche Hormone das ungeborene Baby im Mutterleib beeinflussen. Nach einer weit verbreiteten Theorie gerät bei manchen Ungeborenen etwas mit dieser Hormonsdusche' durcheinander. Sei es die Zusammensetzung oder der Zeitplan, offenbar kommt es zu einer Mischung des geistigen und körperlichen Geschlechts. Deshalb wird Transsexualität manchmal auch als eine Art Geburtsfehler angesehen. Ob das nun stimmt oder nicht, zu sehen ist von alle dem dummer weise überhaupt nichts. Nur die betroffenen Personen haben oftmals schon zu Kindertagen das sichere Gefühl, das etwas nicht zusammen paßt. Die Mitmenschen ihrerseits sind sich sicher, das es sich um eine ganz 'normale' Frau oder einen ganz 'normalen' Mann handelt. Da äußerlich nun rein gar nichts fest stellbar ist, halten viele das ganze für eine 'Macke' oder geistige Störung, die mit etwas gutem Willen und einer Therapie wohl in den Griff zu bekommen sein sollte. Doch das funktioniert leider nicht.


Es gibt keine Heilung, aber es gibt eine Behandlung

In der Vergangenheit haben Psychologen jahrzehntelang versucht, das Problem durch irgendeine Behandlung in den Griff zu bekommen und die betroffenen Menschen so zu 'heilen'. In keinem einzigen Fall ist dies nachweisbar gelungen. Deshalb kam in den 50iger Jahren der amerikanische Arzt Dr. Harry Benjamin auf die Idee, es von nun an andersherum zu versuchen: Anstatt den Geist dem Körper anzupassen, so folgerte er, sollte man doch vielmehr versuchen, den Körper dem Geist anzugleichen. Zum erstenmal wurde damit transsexuellen Menschen die Möglichkeit gegeben, sich in ihrem Körper 'zu Hause' zu fühlen.

Als Möglichkeiten dieser Behandlung stehen hormonelle und chirurgische Maßnahmen bereit. Auch der erwachsene Mensch wird durch Sexualhormone in seiner körperlichen Erscheinung noch maßgeblich beeinflußt. Erhält zum Beispiel eine Frau über längere Zeit das Hormon Testosteron verabreicht, bekommt sie recht bald erkennbaren Bartwuchs, eine tiefere Stimme und kräftigere Muskeln. Umgekehrt setzt bei Männern, die mit weiblichen Hormonen (Oestrogenen) behandelt werden, das Brustwachstum ein und die Muskelmasse schwindet. Zusätzlich zur Hormontherapie nehmen vielen Transsexuelle auch chirurgische Hilfe in Anspruch, um das körperliche Erscheinungsbild möglichst natürlich werden zu lassen.

Da diese Eingriffe größtenteils nicht mehr umkehrbar sind, ist es dringend geboten, die Anwendung solcher Behandlungen zusammen mit den betroffenen Personen gründlich zu überdenken. Ein bestehender Bartwuchs, egal ob bei Frau oder Mann, kann nur in einer langwierigen und schmerzhaften Prozedur wieder entfernt werden. Die meisten operativen Maßnamen hingegen sind nicht rückgängig zu machen. Es ist Aufgabe einer psychologischen Betreuung, zu klären, ob alle möglichen Maßnahmen sinnvoll und angebracht sind. Zudem soll den Menschen dabei auch geholfen werden, die Probleme des Geschlechtsrollenwechsels zu meistern.

Zur Änderung des Vornamens gibt es in Deutschland das sog. Transsexuellengesetz. Auf Antrag und Vorlage von 2 Gutachten kann aufgrund eines richterlichen Entscheides der Vornamen geändert werden. Zudem kann nach einer angleichenden Operation der Geschlechtsmerkmale (Entfernen der Brüste und der Eierstöcke bei der Frau, bzw. Entfernen der Hoden und des Penis beim Mann) auch der Personenstand geändert und damit beispielsweise eine entsprechende Eheschließung ermöglicht werden.


Beziehungen zu den Mitmenschen


Nachdem viele transsexuelle Menschen über lange Jahre ihre Rolle so überzeugend gespielt haben, fällt es der Familie, Freunden und Kollegen oftmals und verständlicherweise recht schwer, mit den plötzlichen körperlichen Änderungen klarzukommen. Auch das Verhalten der transsexuellen Personen ändert sich meistens, sie probiert nun eine neue Rolle aus, was anfangs natürlich nicht immer gleich überzeugend gelingt. Nicht selten fühlen sich die Mitmenschen dann betrogen und werfen den Betroffenen vor, egoistisch zu handeln und die bisherige Ordnung zu zerstören. Oftmals wird der Ruf laut: 'Geh doch mal zum Psychiater!' Man möchte die alten Verhältnisse wiederhergestellt wissen.

In Beziehungen, bei denen das Geschlecht keine erhebliche Rolle spielt, ist diese Umstellung sicher einfacher zu bewältigen. Schließlich läßt sich anstelle der bisherigen Kollegin auch mit einem Kollegen gut zusammenarbeiten. Und anstelle eines Sohnes ist sicher auch eine Tochter liebenswert. Schwieriger sind da schon sexuelle Beziehungen, die einen derartigen Wechsel nur in sehr wenigen Fällen überdauern. Auch im Hinblick auf eine neue Beziehung gestaltet sich die Situation für viele transsexuelle Menschen nicht ganz einfach, denn die Vergangenheit im anderen Geschlecht kann nicht ungeschehen gemacht werden und nur wenige haben das Glück, körperlich der Durchschnittserscheinung des ersehnten Geschlechts zu entsprechen. Zudem ändert sich meist wenig daran, ob Männer oder Frauen als Sexualpartner bevorzugt werden, weshalb sich Transsexuelle dann oft in der Situation wiederfinden, nun als lesbisch oder schwul zu gelten, was es ihnen nicht gerade einfacher macht.


Statistiken

In Deutschland haben zwischen 1981 und 1990 ca. 1500 Menschen einen Antrag auf Änderung ihres Vornamens gestellt. Ungefähr die Hälfte davon hat sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen. Das Verhältnis zwischen Frauen und Männern ist nicht ganz gleich, der Anteil von Männern, die sich als Frau empfinden, ist etwa doppelt so hoch. Es ist davon auszugehen, das viele betroffene Menschen sich allerdings niemals trauen, die Geschlechterrolle zu wechseln. Über diese Menschen liegen recht unterschiedliche Schätzungen vor, sie schwanken zwischen einem Verhältnis von 1:1000 bis zu 1:10000, bezogen auf den Anteil von Transsexuellen in der Bevölkerung. Nachweisbar gibt es Lebensbereiche, in denen Transsexuelle überproportional häufig zu finden sind. Beispielsweise sind das bei Mann-zu-Frau-Transsexuellen nicht unbedingt Bars und Showbusiness, wie man annehmen möchte, sondern unter anderem auch die französische Fremdenlegion und die U.S. Marines. Manche Menschen treibt es aus lauter Angst vor dem Entdeckt werden in solche Gruppen, da sie hoffen, nur hier als 'echte' Männer zu bestehen. Was solche Einzelschicksale somit oft erdulden, läßt sich wohl kaum erahnen.


Zum SchlussWenn sie einem transsexuellen Menschen begegnen, dann treffen sie jemanden, der viele Jahre versucht hat, es allen recht zu machen. Jemand, der viel über sich und andere nachgedacht hat und sich dann im Abwägen aller möglichen Folgen entschieden hat, ein Leben ohne Lüge vor sich selbst und den anderen zu leben. Jemand der gelernt hat, sich selbst zu verstehen und zu lieben und demzufolge auch andere verstehen und lieben kann. Wie viele Menschen können das für sich in Anspruch nehmen?

Kompletter Erfahrungsbericht


Ursachen


Auch heute noch, nach einigen Jahren der intensiven Forschung, stellt Transsexualität für Mediziner und Psychologen immer noch ein großes Rätsel dar. Viele verschiedene Theorien über die Ursachen einer Erkrankung existieren, darunter einige interessante Ansätze, die es gilt näher zu untersuchen.

Die Theorie des Gendefektes ist momentan wohl eine der meist diskutierten Theorien. Sie sagt, dass irgendein unbekanntes Gen, welches für die Übereinstimmung des physischen und des psychischen Geschlechts verantwortlich ist, entweder defekt ist oder aufgrund einer Störung der Zellteilung wirkt in den ersten Schwangerschaftswochen das Gen des anderen Geschlechtes.

Weit verbreitet ist ebenfalls die Theorie des vorgeburtlichen Stress. Dies bedeutet, wenn zum Zeitpunkt der Entwicklung des Geschlechtes eines Embryos, die Mutter einem enormen Stress ausgesetzt ist, wie z.B. psychischer Misshandlung, Angst, ständigen Misserfolgen, oder sich biologischen Einwirkungen wie Drogen, Alkohol und Nikotin aussetzt kann es passieren, dass ein wichtiger Entwicklungsschritt bei der Festlegung des Geschlechts vom Körper ausgelassen wird.

Oft wird auch vom Erziehungseffekt gesprochen, wenn es darum geht die Ursachen für Transsexualität zu klären. Der Vater hat sich eigentlich nichts sehnlicher gewünscht als einen Jungen gewünscht und erzieht deshalb seine Tochter „männlich“. Umgekehrt werden Söhne von besitzergreifenden Müttern oft umsorgt und verhätschelt , vor allem bei Abwesenheit des Vaters, nicht selten entwickeln dadurch vor allem sensible Jungen eine weibliche Identität. Eine heute meist abgelehnte Theorie ist die angeborenen Bisexualität, diese Theorie geht davon aus, dass das menschliche Geschlecht von Geburt an nicht eindeutig festgelegt ist, sondern wir erst durch unsere Kultur in eine bestimmte Geschlechtsrolle gezwängt werden. Dem zu Folge wären Transsexuelle die Menschen, die sich die angeborene Zweideutigkeit erhalten hätten.

Es lässt sich also sagen, die Ursachen der Transsexualität sind bis heute nicht geklärt, zwar gibt es jede Menge interessante und teilweise auch amüsante Theorien über die Ursachen einer Erkrankung, bewiesen ist jedoch keine einzige.

Behandlung


Die Behandlungsweise Transsexueller basiert auf den Grundlagen, die im Umgang mit dieser Krankheit in den letzten Jahrzehnten gesammelt wurden. Durch die Veröffentlichung verschiedener Behandlungsverläufe und klinischer Erfahrungen, die durch Behandlung verschiedener Patienten gesammelt wurden, hat sich somit eine Art typisches therapeutisches Vorgehen entwickelt, welches heute sehr einheitlich praktiziert wird.
Dieses Therapiepaket kann in verschiedenen Stufen beschrieben werden, wobei die einzelnen Stufen der Therapie ineinander übergehen und ihre Fortschritte voneinander abhängen.

Die verschiedenen Stufen der Behandlung
1. Stufe: Die Psychotherapie
2. Stufe: Der Alltagstest
3. Stufe: Die Hormonbehandlung
4. Stufe: Geschlechtsumwandlung
5. Stufe: Nachbetreuung

Zusätzlich begleitet werden diese Stufen der Behandlung meist durch eine andauernde Psychotherapie.
Ziel der Behandlung ist es eine individuelle Lösung des Identitätsproblems des Patienten zu finden. Nicht immer steht dabei eine geschlechtskorrigierende Operation oder ein juristischer Geschlechtswechsel in Aussicht. Funktionelle MRT deckt im Gehirn Aktivierungsmuster des jeweils anderen Geschlechts bei erotischen Stimuli auf

BERLIN (gvg). Das Gehirn transsexueller Menschen, die anatomisch männlich sind, sich aber als Frauen fühlen, reagiert nicht typisch männlich auf visuelle erotische Stimuli. In einer Studie mit funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) zeigt sich eher ein weibliches Aktivierungsmuster.

Diese Beobachtung haben Radiologen der Uni Essen gemacht, die in einer Studie 36 Probanden während einer fMRT des Gehirns Filmsequenzen mit erotischem Inhalt vorspielten. Die Studie erfolgte in Zusammenarbeit mit der Klinik für Psychosomatik und sollte klären, ob die fMRT bei Transsexuellen als Diagnosehilfe in Frage kommt, etwa bei der Entscheidung über einen Umwandlungs-Top.

Untersucht wurden je zwölf heterosexuelle Männer und Frauen sowie zwölf Mann-zu-Frau-Transsexuelle, also anatomische Männer, die sich als Frauen fühlen. Wie Dr. Elke Gizewski beim Röntgenkongreß in Berlin betonte, sei bereits aus Voruntersuchungen anderer Gruppen bekannt, dass sich bei Männern und Frauen in der fMRT Unterschiede zeigen, wenn erotische Stimuli präsentiert werden.

So würden bei Männern das limbische System und dort vor allem Regionen im Hypothalamus, in den Mandelkernen und im Inselkortex wesentlich stärker aktiviert. "Diese Vorbefunde konnten wir beim Vergleich der heterosexuellen Männer und Frauen unserer Kohorte bestätigen", sagte Gizewski.

Bei den transsexuellen Männern gab es diese spezifisch männliche Aktivierung des limbischen Systems nicht. Die mit der fMRT erzeugten Bilder entsprachen vielmehr exakt denen der weiblichen Probanden.

Die Radiologen können also das, was die transsexuellen Männer angeben - dass sie sich nämlich "wie im falschen Körper" fühlen - anhand der Aktivierung des Gehirns auf erotische Stimuli bestätigen. Es gibt offenbar ein biologisches Korrelat des subjektiven Befunds.

Psychotherapie

Die Psychotherapie hat im Verlauf der Krankheit, sowie im Verlauf der Behandlung eine zentrale Rolle. Ärztinnen, Richterinnen und Krankenkassen lehnen die Weiterbehandlung eines Patienten oft ab ohne eine ambulante Psychotherapie, dabei sollte die Psychotherapie dem Patienten und seinen Bedürfnissen gegenüber neutral sein, d.h. ohne das Ziel die Bedürfnisse oder Wünsche des Betroffenen zu „heilen“ oder aufzulösen. Eine Psychotherapie steht heutzutage in jedem Fall vor der Einleitung somatischer Eingriffe. Dauer sowie Therapiefrequenz werden nicht fest vorgeschrieben und werden meist von Patient und Therapeuten miteinander vereinbart.
Eine sehr wichtige Aufgabe des Therapeuten ist es Transsexualität zu diagnostizieren. Dies geschieht meist nach dem Prinzip der Differenzialdiagnose, und bedeutet, dass eine Diagnose durch Ausschluss aller anderen möglichen Krankheitsbilder gestellt wird. Bei Transsexualität betrifft das folgende Kriterien:

Intersexualität und andere körperliche Störungen
Von Intersexualität spricht man bei einer Geschlechtsidentitätsstörung, die durch körperliche Ursachen hervorgerufen wird, wie z.B. hormonelle oder chromosale Störungen.
Passagere Geschlechtsidentitätsstörungen
Dabei handelt es sich um eine vorübergehende sehr starke Identifikation mit dem anderen Geschlecht. Kommt oft in der Pubertät vor.
Nichttranssexuellen Geschlechtsidentitätsströungen

Darunter fallen vor allem homosexuelle Menschen, die ihre Homosexualität nicht akzeptieren können, und sich unbewußt in die Transsexualität steigern um ihre Neigung ausleben zu können.

Psychosen mit Verkennung der eigenen Geschlechtswirklichkeit
Darunter versteht man Menschen die der Ansicht sind sowohl psychisch als auch physisch dem anderen Geschlecht anzugehören, die sich im Gegenteil zu Transsexuellen nicht der Unstimmigkeit zwischen angeborenem Geschlecht und Geschlechtsidentität bewusst sind.
Diese Diagnose ist für weitere Eingriffe erforderlich und kann nur durch einen Therapeuten erfolgen.

Ziele der Psychotherapie

Die Psychotherapie soll durch eine hinreichend lange Verlaufsbeobachtung die Diagnose Transsexualität feststellen, einschlägige Differenzialdiagnosen ausschließen und gegebenenfalls Begleiterkrankungen oder psychische Probleme erkennen und behandeln.
Zusammen mit dem Alltagstest sollen die neuen Erfahrungen in Bezug auf die neue Geschlechterrolle durchlebt werden und dem Patienten dazu verhelfen seine individuelle Lösung seines Identitätsproblems zu finden. Weiterhin gehört das realistische Erkennen der Möglichkeiten und Grenzen körperlicher Eingriffe zum Ziel der Psychotherapie.

Der Alltagstest


Der Alltagstest gilt heutzutage als ein wesentlicher Bestandteil der Therapie. Die Dauer dieses Alltagstest liegt in den Behandlungszentren weltweit zwischen 1 bis 2 Jahren.

Während des Alltagstest erprobt der Patient ob und wie ihm ein Geschlechtswechsel möglich ist. In dieser Zeit lebt der Patient täglich 24 Stunden in der angestrebten Geschlechtsrolle, dabei werden Gestik und Mimik, die Art sich zu kleiden (eventuell auch die Art sich zu schminken) sowie das sozial Verhalten des angestrebten Geschlechts getestet
.
Der Patient erlebt die Reaktion seines Umfeldes und muss lernen damit zu Recht zu kommen. Die begleitende Psychotherapie hilft auftretende Probleme zu überwinden und zu verarbeiten. Oft entfernen sich Familie, Freunde und Arbeitskollegen von der betroffenen Person und brechen den sozialen Kontakt ab.

Ein Wechsel des Arbeitsplatzes ist nicht zuletzt die Konsequenzen mit der der Betroffene zu rechnen hat. Gespräche des Therapeuten mit den Angehörigen oder Vorgesetzten können notwendig werden.

Sehr oft wird beobachtet, dass zu Beginn des Alltagstest der betroffenen Person die typischen Verhaltensweisen des angestrebten Geschlechts überzeichnet.

Erleichtert wird der Alltagstest durch ein erklärendes Attest, dass bei Personal- oder Polizeikontrollen vorgelegt werden kann. Denn der Alltagstest ist nicht als eine „Schikane“ des Gutachters dem Patient gegenüber gedacht. Vielmehr hat der Transsexuelle hier die Chance sich klar zu werden ob seine Vorstellungen dem anderen Geschlecht gegenüber zu verwirklichen sind. Zudem soll dieser Alltagstest die innere Stimmigkeit des Patienten verbessern und zu einem deutlich Zugewinn an Lebensfreude führen.


Die Hormonbehandlung


Die Hormonbehandlung die Vorstufe zur geschlechtsangleichenden Operation, sie sollte mindestens sechs Monate vor Beginn dieser Operation begonnen werden.

Angefangen wird mit einer Hormonbehandlung dann, wenn erstens die Diagnose Transsexualität gesichert wurde, zweitens die innere Stimmigkeit der Transsexualität für den Patienten erreicht ist und sich die Unveränderlichkeit dieser Stimmigkeit bewiesen hat, drittens die Möglichkeiten und Grenzen einer solchen Therapie dem Patienten eindeutig bewusst sind und viertens der Patient mindestens ein Jahr, möglichst länger bereits im Sinne des Alltagstests in der gewünschten Geschlechterrolle gelebt hat.

Denn die Hormonbehandlung führt zu irreversiblen oder nur schwer zurückzunehmenden körperlichen Veränderungen, wie z.B. Stimmbruch, Brustbildung oder Hodenatrophie.
Die Hormontherapie erfolgt heute unter Aufsicht eines Endokrinologen, der die Therapie einleitet und später zusammen mit dem zuständigen Hausarzt den Verlauf der Behandlung überprüft. Der Endokrinologe erhält einen Befundbrief vom Therapeuten, der die oben aufgelisteten Voraussetzungen erfüllen muss.

Die Hormonbehandlung erstreckt sich nicht nur über einige Monate oder Jahre, eine lebenslange Behandlung ist von Nöten um schwere Symptome des Hormonmangels wie Verkürzung der Lebenszeit oder vorzeitige Alterung zu vermeiden. Allgemein lässt sich über das Prinzip der Hormonbehandlung sagen, dass die Aufgabe dieser Behandlung darin besteht überschüssige Hormonproduktion zu vermindern und fehlende Hormone auszugleichen.
Für Transsexuelle, die sich einer Hormontherapie unterziehen, sind nur die Sexualhormone relevant. Das ist auf der einen Seite das Testosteron und auf der anderen Seite die Östrogene. Um die Abläufe in unserem Körper zu verstehen und um die Erwartungen an eine Hormonbehandlung besser einzuschätzen soll im Folgenden die Wirkungsweise der Hormone erklärt werden.

Das Testosteron

Testosteron ist das männliche Sexualhormon und wird in den Hoden produziert. Es ist in erster Linie für die Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale verantwortlicher, wie z.B. Bartwuchs, Stimme, Körperbehaarung und männlicher Körperbau. Im Alter führt es zu vermehrtem Haarausfall und unter anderem zum Anschwellen der Vorsteherdrüse. Auf den Hoden wirkt das Hormon, indem es die Keimzelle zur Produktion von Samenzellen anregt. Zudem hat das Hormon auch psychische Auswirkungen auf unseren Körper. Testosteron fördert die männliche Aggressivität und Leistungsfähigkeit. Außerdem steuert es das Sexualverhalten, nach Dörner ist das Testosteron bereits im Mutterleib für die Herausbildung der Geschlechtsidentität und die Festlegung des späteren Sexualverhaltens (homo- oder heterosexuell) verantwortlich. Testosteron wird auch in geringeren Mengen vom weiblichen Körper gebildet.

Die Östrogene


Man unterscheidet drei verschiedene Arten von Östrogenen, das Östradiol, das Östron und das Östriol. Diese Östrogene werden bei der Frau in den Eierstöcken produziert. Für uns jedoch ist nur das Östradiol relevant. Das Östradiol ist im weiblichen Körper für die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale verantwortlich, dazu gehören Brustwachstum, weibliche Fettverteilung, Körperbau sowie Hautbeschaffung. Zudem wird der Knochenbau durch das Östradiol maßgeblich unterstützt und das Sexualverhalten der Frau wird geregelt.
Allgemeines zum Hormonsystem

In unserem Körper gibt es eine Vielzahl von Organen und Systemen, deren Funktion aufeinander abgestimmt und aus diesem Grund gesteuert werden müssen. Diese Steuerung der einzelnen Vorgänge in unserem Körper, wie z.B. Wachstum und Fortpflanzung, übernehmen die über dreißig verschiedenen Hormone in unserem Körper. Sie werden von endokrinen Drüsen an die Blutbahn abgegeben. Hormone sind also die Botenstoffe unseres Körpers, die die Steuerung der einzelnen Funktionen, wie, wann oder was abzulaufen hat übernehmen.
Das Hormonsystem ist hierarchisch ausgelegt und wird von dem Hypothalamus als oberste Instanz gesteuert, er hat sozusagen den Gesamtüberblick über die Hormone in unserem Körper. Bei Veränderungen des Hormonhaushaltes reagiert der Hypothalamus mit entsprechenden Befehlen an die Hirnanhangdrüse, auch Hypophyse genannt. Die Hypophyse leitet die Befehle dann an Nebennieren, Schilddrüse, Nebenschilddrüse, Hoden, Ovarien und Pankreas weiter. Der Hypothalamus hat engen Kontakt zur Großhirnrinde und verarbeitet alle von dort kommendem Reize, wie Wärme, Kälte, Sinneseindrücke, optische und akustische Wahrnehmungen die alle Einfluss auf das Hormonsystem auf die Regelung der einzelnen Funktionen haben.

Praxis bei Frau zu Mann

Um einen ähnlich männlichen Hormonspiegel zu bekommen und aufrecht zu erhalten wird dem betreffenden Patienten künstlich Testosteron zugeführt. Nach einer gewissen Zeit stellt der Hypothalamus fest, dass sich in diesem Körper eine gewisse Menge an Testosteron befindet, daraufhin wird der Befehl die Produktion von Östrogen zu vermeiden, an die Hirnanhangdrüse weitergeleitet. Die Hirnanhangdrüse meldet dann an die Eierstöcke weniger Östrogene zu produzieren, was dazu führt, dass das Testosteron seine Wirkung voll entfalten kann.

Bei der Dosierung des zugeführten Hormons gilt es folgendes zu beachten:
Je (höher und) gleichmäßiger der Testosteronspiegel im Blut, desto niedriger wird der Oestrogenspiegel.

Aber Vorsicht denn eine Überdosierung an Testosteron führt zu einer Umwandlung des überschüssigen Testosterons in Östrogene.

Es gibt zwar nicht die optimale Dosierung doch 250mg Testosteron alle 2-3 Wochen sind im Normalfall gut verträglich. Um die optimale Dosis und den besten Intervall für die Behandlung zu finden sind anfangs regelmäßige Hormonspigeltests zu empfehlen.

Nach einigen Wochen oder Monaten der Behandlung wird der Patient heißer und es kommt zum Stimmbruch. Es kommt zu einer deutlichen Zunahme der Behaarung und der Muskulatur. Psychisch wirkt sich das Hormon auf die Zufriedenheit des Patienten aus zudem wird das Verhalten aber auch fordernder und gelegentlich aggressiver.

Nebenwirkungen wie Akne, Veränderung der Haut und auftreten unangenehmer Körpergerüche sind nicht selten mit der Hormonbehandlung verbunden.
Eine Hormonbehandlung ist lebenslang erforderlich, da in beiden Fällen, bei Frau zu Mann Transsexuellen, sowie bei Mann zu Frau Transsexuellen bei der Operation die Keimdrüsen entfernt werden. Bei fehlender lebenslanger Hormonbehandlung kommt es zu Erkrankungen wie Osteoporose, zu einer vorzeitigen Alterung des Körpers und zur Abnahme der Lebenserwartung.

Praxis Mann zu Frau


Im Gegensatz zu der Frau zu Mann Hormonbehandlung wurde bei Mann zu Frau Transsexuellen die gewünschte Wirkung der Hormonbehandlung über Jahrzehnte hinweg durch einen Überschuss an Östradiol erreicht. Dabei wurde meist das Präparat 100mg Progynon Depot, welches alle zwei Wochen der betroffenen Patientin gespritzt wurde, verwendet. Durch die bewusst hohe Dosierung sollte eine möglichst schnelle Verweiblichung stattfinden um das Wohlbefinden der Patientin zu garantieren. Nachdem dieses Präparat nicht mehr direkt in Deutschland verfügbar wurden neue Möglichkeiten entwickelt. Heute kann das benötigte Östrogen durch das sogenannte Östrogenpflaster zugeführt werden.

Durch die Hormonbehandlung bei Mann zu Frau Transsexuellen kommt es zu einer Abnahme der Erektion und zum Ejakulationsverlust, was von den Patienten meist als sehr angenehm empfunden wird. Ein Rückgang der Brust- sowie Körperbehaarung ist zu beobachten, sowie die Entwicklung einer weiblichen Brust.

Auch hier kann das Östradiol wirken, weil der Hypothalamus irgendwann bemerkt, dass sich im Blut des Patienten eine gewissen Menge Östradiol befindet und er aufgrund dieser Erkenntnis den Befehl die Produktion von Testosteron zu vermeiden an die Hirnanhangdrüse weiterleitet. Diese leitet den Befehl dann an die betreffende Drüse weiter, in diesem Falle die Hoden und die Produktion von Testosteron wird nun vermieden.

Die Geschlechtsumwandlung


Die Geschlechtsumwandlung steht am Ende der Behandlung Transsexueller. Sie ist der letzte Schritt, der jedoch nicht für alle Patienten notwendig ist. Die geschlechtsangleichende Operation finden erst dann statt, wenn der betroffene Patient die gegebenen Voraussetzungen erfüllt. Dazu gehört die Betreuung des Patienten durch einen Therapeuten seit mindestens einem Jahr, der dauerhafte Wunsch die Geschlechtsidentität wechseln zu wollen, der Abschluss des sogenannten Alltagstests, eine Stellungnahme bezüglich Diagnose und Indikation eines zuständigen Gutachters, sowie eine hormonelle Vorbehandlung.

Frau zu Mann


Bei der geschlechtsangleichenden Operation von Frau zu Mann Transsexuellen gilt es folgende Ziele zu erfüllen. Die weibliche Brust soll der männlichen Brust angepasst werden, die Geschlechtsorgane, wie Gebärmutter und Eierstöcke werden entfernt und Hodenimplantate werden dem Patienten eingesetzt.

Durch die Brusttransformation soll eine männliches Brustbild entstehen, eine männliche Brust mit männlichen Brustwarzen. Dabei werden die Brüste in der Regel amputiert, bei großen weiblichen Brüsten ist dieser Vorgang komplizierter, da beim Amputieren zuviel Haut übrig bleibt. Ein optimales Ergebnis wird erzielt, wenn durch die Hormonbehandlung die Brustbehaarung entsteht.

Im nächsten Schritt werden Eierstöcke, Eileiter und die Gebärmutter durch die Scheide entfernt. Durch Hinzunahmen von Gewebestücken wird die Scheide zu einem Penis ummodeliert, dabei gilt es zu beachten, dass dieser Eingriff recht kompliziert ist, da Blasenausgang und Nerven mit dem neuen Glied verbunden werden müssen.
Zudem werden dem Patienten Hodenimplantate eingesetzt. Durch die einsehende Schambehaarung wird auch hier ein optimales Ergebnis erzielt.

Der entstehende Penis unterscheidet sich meist in der Größe von einem natürlich gewachsenen Penis.

Mann zu Frau


Bei der Geschlechtsumwandlung von Mann zu Frau Transsexuellen verfolgt die Operation folgende Ziele. Hoden sowie Nebenhoden werden entfernt, eine Vagina soll entstehen in Verbindung mit einer weiblichen Harnröhrenmündung, Klitoris sowie die Form der Vagina werden modelliert.

Im Normalfall entstehen aufgrund der Hormonbehandlung weibliche Brüste, sollte diese jedoch nur schwach ausgeprägt sein, wird durch das Einsetzen unterschiedlicher Implantate ein zufrieden stellendes Ergebnis erreicht.

Im Gegensatz zu der Frau zu Mann Geschlechtsumwandlung ist die Operation für Mann zu Frau Transsexuelle weniger kompliziert, da für die Schaffung der Scheide genug Gewebe bereits vorhanden ist.

Zudem zählt zu den operativen Maßnahmen bei Mann zu Frau Transsexuellen die Epilation der Barthaare. Zwar wird der Bartwuchs durch die Einnahme gegengeschlechtlicher Hormone gebremst, dennoch kann vereinzelt eine Epilation der Barthaare von Nöten sein.

fMRT zur Diagnose bei Transsexualität geprüft


Diese Beobachtung haben Radiologen der Uni Essen gemacht, die in einer Studie 36 Probanden während einer fMRT des Gehirns Filmsequenzen mit erotischem Inhalt vorspielten. Die Studie erfolgte in Zusammenarbeit mit der Klinik für Psychosomatik und sollte klären, ob die fMRT bei Transsexuellen als Diagnosehilfe in Frage kommt, etwa bei der Entscheidung über eine Umwandlungs-Op.

Untersucht wurden je zwölf heterosexuelle Männer und Frauen sowie zwölf Mann-zu-Frau-Transsexuelle, also anatomische Männer, die sich als Frauen fühlen. Wie Dr. Elke Gizewski beim Röntgenkongreß in Berlin betonte, sei bereits aus Voruntersuchungen anderer Gruppen bekannt, daß sich bei Männern und Frauen in der fMRT Unterschiede zeigen, wenn erotische Stimuli präsentiert werden.

So würden bei Männern das limbische System und dort vor allem Regionen im Hypothalamus, in den Mandelkernen und im Inselkortex wesentlich stärker aktiviert. "Diese Vorbefunde konnten wir beim Vergleich der heterosexuellen Männer und Frauen unserer Kohorte bestätigen", sagte Gizewski.

Bei den transsexuellen Männern gab es diese spezifisch männliche Aktivierung des limbischen Systems nicht. Die mit der fMRT erzeugten Bilder entsprachen vielmehr exakt denen der weiblichen Probanden.

Die Radiologen können also das, was die transsexuellen Männer angeben - daß sie sich nämlich "wie im falschen Körper" fühlen - anhand der Aktivierung des Gehirns auf erotische Stimuli bestätigen. Es gibt offenbar ein biologisches Korrelat des subjektiven Befunds.

Funktionelle MRT deckt im Gehirn Aktivierungsmuster des jeweils anderen Geschlechts bei erotischen Stimuli auf BERLIN (gvg). Das Gehirn transsexueller Menschen, die anatomisch männlich sind, sich aber als Frauen fühlen, reagiert nicht typisch männlich auf visuelle erotische Stimuli. In einer Studie mit funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) zeigt sich eher ein weibliches Aktivierungsmuster.

Transsexualität:

Genetischer Zusammenhang entdeckt


 
London (ddp). Ein Gen beeinflusst offenbar die Wahrscheinlichkeit für Transsexualität bei Frauen. Eine bestimmte Variante dieses Gens komme bei Frauen, die sich selbst als Mann empfinden, häufiger vor als bei nicht-transsexuellen Frauen, berichtet ein Forscherteam um Clemens Tempfer von der Universität Wien. Das Gen ist für den Auf- und Abbau von Sexualhormonen zuständig, wobei die jetzt identifizierte Variante zu einer Anreicherung dieser Hormone im Körper führt. Bei der Interpretation ihrer Entdeckung mahnen die Wissenschaftler allerdings zur Vorsicht: Sie deute lediglich darauf hin, dass Transsexualität eine genetische Komponente habe. Entscheidend für die tatsächliche sexuelle Identität sei jedoch wahrscheinlich das Zusammenwirken von genetischer Veranlagung, Umwelteinflüssen und kulturellen Faktoren, berichtet der Onlinedienst des Magazins «New Scientist».

Transsexuelle Menschen gehören körperlich eindeutig einem Geschlecht an, identifizieren sich jedoch psychisch mit dem jeweils anderen. Physische Frauen, die sich als Mann fühlen, werden häufig als Frau-zu-Mann-Transsexuelle bezeichnet und biologische Männer mit einem weiblichen Identitätsgeschlecht entsprechend als Mann-zu-Frau-Transsexuelle. Die Ursachen dieser Geschlechtsidentifikationsstörung sind noch weitgehend unbekannt. Einer der bestimmenden Faktoren könnte das Gen CYP17 sein, entdeckten Tempfer und sein Team jetzt beim Vergleich des Erbguts von 49 Frau-zu-Mann-Transsexuellen, 102 Mann-zu-Frau-Transsexuellen und 1669 nicht-transsexuellen Kontrollprobanden.

Dabei stießen sie auf eine CYP17-Variante, die bei 44 Prozent der Frau-zu-Mann-Transsexuellen, aber nur bei 31 Prozent der nicht-transsexuellen Frauen vorkam. Bei den Männern fand sich dieser Unterschied hingegen nicht, obwohl die Genvariante dort insgesamt häufiger auftrat. CYP17 trägt den Bauplan für ein Enzym, das am Stoffwechsel von Geschlechtshormonen wie Testosteron und Östrogen beteiligt ist.

Die Forscher vermuten, dass die überdurchschnittlich hohen Werte, die bei Trägern der jetzt identifizierten Genvariante auftreten, die frühe Entwicklung des Gehirns im Mutterleib und damit auch die Ausprägung der Geschlechtsidentität beeinflussen. Auch frühere Studien hatten bereits auf einen derartigen Effekt ungewöhnlich hoher Testosteronspiegel bei weiblichen Föten hingedeutet.

Tempfer ist sicher, dass CYP17 nicht der einzige beteiligte genetische Faktor ist. Er erhofft sich von der Identifikation weiterer Gene die Möglichkeit, Transsexualität eindeutiger und schneller diagnostizieren zu können. Dann könnte die Angleichung des körperlichen an das gefühlte Geschlecht früher erfolgen, was den Betroffenen ihre Situation erleichtern würde.